Kann ich mir etwas mehr leisten? Ein genauerer Blick auf die Carnivore-Diät
Weltweit folgen immer mehr Menschen einer vegetarischen Ernährung, und eine wachsende Zahl lebt sogar nach der veganen Philosophie, bei der alle tierischen Produkte aus Ernährung und Lebensweise ausgeschlossen werden. Für die meisten Pflanzenbefürworter ist der Hauptgrund, Fleisch zu meiden, vor allem die Klimawirkung unserer Lebensmittel.
Die konventionelle Produktion von Fleisch und Milchprodukten gilt nämlich oft als unmenschlich, intensiv und umweltbelastend. Abgesehen von den Auswirkungen auf das Klima soll pflanzliche Nahrung deutlich gesünder sein, und der Verzehr von zu viel Fleisch birgt laut wissenschaftlichen Studien und Quellen wie dem niederländischen Ernährungszentrum sogar Gesundheitsrisiken. So sollen viel rotes und verarbeitetes Fleisch unter anderem Schlaganfälle, Typ-2-Diabetes und Krebs verursachen. Aber ist die Verherrlichung von Pflanzen wirklich der richtige Weg zu guter Gesundheit und einer nachhaltigen Welt?
Fleisch ist das neue Vegan
Anhänger der seit Kurzem immens populären Carnivore-Diät sehen das jedenfalls anders. Die „Fleischdiät“ steht fast im völligen Gegensatz zu all dem oben Genannten; sie spottet im Grunde über alles, was bewusste Pflanzenesser kannten und glaubten. Kurz gesagt handelt es sich um eine ketogene Ernährung, die vor allem auf einer hohen Aufnahme von Eiweiß und Fett aus Fleisch und Milchprodukten basiert. Getreide, Gemüse und Obst gehören kaum zum Speiseplan. Der amerikanische Arzt Dr. Paul Saladino schrieb ein umfangreiches Buch darüber mit dem Titel The Carnivore Code, in dem er aus vielen unterschiedlichen Studien und Erfahrungen schöpft, um mit den „Fabeln und Mythen aufzuräumen, die weltweit verbreitet werden“ darüber, wie ungesund es angeblich sei, pflanzliche Lebensmittel aus unserer Ernährung zu streichen.
Die Diät löst bei vielen Menschen Abwehr, aber auch Neugier aus. Sie ist so radikal anders und zugleich doch auf viel Wissen gegründet, dass sie es wert ist, untersucht zu werden. Die Wahrheit über gesunde Ernährung verändert sich schließlich so oft wie der Wind, wie die verschiedenen Ernährungsempfehlungen, Bücher, Produkte, Gurus und Wissenschaftler der vergangenen Jahrzehnte bewiesen haben. Offenheit für Veränderung und neue Erkenntnisse ist nirgendwo so wichtig wie in der Ernährungswelt. Geben wir also auch dieser Diät unsere volle Aufmerksamkeit und betrachten sie anhand des Wissens und der Erfahrungen von Dr. Paul Saladino.
Zurück in der Zeit
Dr. Saladin os lebenslange Forschung dreht sich um die Frage: „Was sollten wir essen, um so gesund und fit wie möglich zu sein?“ Er suchte nach einer Ernährung, die alle Nährstoffe enthält, die unser Körper zum Funktionieren braucht, und zwar in möglichst optimaler (bioverfügbarer) Form und mit möglichst wenig Giftstoffen. Aber wie können wir herausfinden, welche Nährstoffe unser Körper braucht? Laut Saladino finden wir die Antwort in unserer „Bedienungsanleitung“, nur haben wir diese im Laufe der Jahrhunderte verloren. Er sucht also in unserer Geschichte nach der Zeit, in der wir laut Saladino diese Anleitung noch besaßen. Und seiner Ansicht nach war das die Periode, in der wir als Jäger und Sammler lebten; schief ging es ab dem Moment, als die Landwirtschaft Einzug hielt und wir uns immer mehr von Pflanzen und Samen ernährten.
Pflanzen versus Tiere
Das Buch geht ausführlich darauf ein, warum der Verzehr von Pflanzen für unseren Körper eine schlechte Idee ist. Die komplexen chemischen Abwehrmechanismen, die Pflanzen über 450 Millionen Jahre entwickelt haben, können laut Saladino in unserem Körper viel Schaden anrichten. Pflanzen sind schwer verdaulich, verursachen Entzündungen, enthalten schädliche Stoffe und haben eine geringere Nährstoffkonzentration als tierische Lebensmittel.
Saladino stellt dem entgegen, dass Fleisch zu Unrecht oft als Schuldiger und Verursacher von Leiden und Krankheiten markiert wurde, und räumt diese „Mythen“ über Fleisch Schritt für Schritt sorgfältig aus dem Weg. Auch unser Wissen über den Wert pflanzlicher Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und anderer Stoffe wird erheblich infrage gestellt. Saladino führt viele wissenschaftliche Studien an und vergleicht Daten in Tabellen und Grafiken. Am Ende erweisen sich tierische Lebensmittel als die „wahren Superfoods“, während Pflanzen als giftige, schwer verdauliche und weniger nährstoffreiche Lebensmittel entlarvt werden.
Vom Kopf bis zum Schwanz
Saladinos Vorstellungen von Ernährung schließen teilweise an das breitere Konzept des ancestral eating an – auch bekannt als ancestral eating, auf dem auch die Paleo-Diät, Organtherapie und das Nose-to-tail-Essen beruhen. Kurz gesagt bedeutet ancestrales Essen, dass wir für optimale Gesundheit zu echten, ganzen, unverarbeiteten Lebensmitteln zurückkehren sollten. Essen wie die Höhlenmenschen. Die Ernährung besteht hauptsächlich aus Fleisch, Fisch und Eiern sowie in Maßen aus Nüssen, Samen, Obst und Gemüse. Dabei werden auch ausdrücklich die Organe von Tieren verzehrt, wegen der hohen Nährstoffdichte von Organfleisch. Es ist die Ernährung, die wir über mehr als 200.000 Jahre gegessen haben und auf der wir uns entwickelt haben, bevor vor etwa 10.000 Jahren die Landwirtschaft aufkam und unser Gehirn angeblich wieder langsam zu schrumpfen begann, statt weiter zu wachsen.
Die Carnivore-Diät geht jedoch noch einen Schritt weiter als die Paleo-Diät oder das ancestrale Essen. Sie streicht nämlich weitgehend auch Nüsse, Samen, Gemüse und Obst, obwohl es fünf Varianten der Diät gibt, von denen die zugänglichste noch einen recht hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel enthält (etwa 15 % der Gesamtzufuhr). Diese Variante wird von Saladino deshalb – vielleicht etwas scherzhaft – die „Carnivore-ish Diet“ genannt. Er ist also kein großer Fan von Pflanzen und behauptet, unsere Vorfahren hätten sie zwar gegessen, aber nur wenn es an Nahrung mangelte; Pflanzen dienten also vor allem als „Survival Food“, und er zeigt auf, dass unser gesamter Körper darauf ausgelegt ist, vor allem tierische Lebensmittel zu konsumieren.
Wunderdiät?
Die Diät ist im Vergleich zu dem, was die meisten Menschen gewohnt sind, recht radikal und extrem und ruft daher sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Im Internet gibt es jedenfalls zahlreiche Erfahrungsberichte von Menschen, die seit der Umstellung auf diese Diät Wunder erleben. So berichten Menschen unter anderem von Gewichtsverlust, geistiger Klarheit, gesteigertem Sexualtrieb und dem Verschwinden von Gelenkbeschwerden, Magen-Darm-Problemen und Allergien. Obwohl es bislang noch wenig belastbare wissenschaftliche Evidenz für die Diät gibt, wurden doch viele Studien durchgeführt – auch solche, die in Saladinos Buch erwähnt werden – die einen zumindest zum Nachdenken über die ganze Frage bringen. Könnte es wirklich sein, dass wir all die Jahre falsch lagen und mit Fleisch deutlich besser fahren als mit pflanzlicher Nahrung? Es könnte tatsächlich sein, dass wir Pflanzen überschätzt und Fleisch zu Unrecht „schwarzgemacht“ haben.
Zugegeben, das Buch enthält ziemlich viele interessante Studien und Fakten, die selbst den überzeugtesten Veganer an seinem Glauben zweifeln lassen könnten. Viele Menschen werden nach der Lektüre jedenfalls Fleisch und Pflanzen ernährungsphysiologisch ganz anders betrachten und Informationen über ihre Ernährung kritischer hinterfragen. Anhand der Thesen des Buches und der vielen positiven Erfahrungen, die Menschen mit der Diät gemacht haben, scheint es tatsächlich so, als hätten wir Fleisch zu Unrecht weitgehend aus unserer Ernährung verbannt und übersehen, wie wichtige Nahrungsquelle es über Jahrtausende für uns war.
Extrem einseitige Ernährung?
Allerdings ist der vollständige Umstieg auf die Carnivore-Diät für viele Menschen wahrscheinlich zu extrem. Unabhängig von den gesundheitlichen Vorteilen, die diese Diät zu haben scheint, ist sie nämlich eine ziemlich einseitige Ernährungsweise mit ungewöhnlichen, zudem recht kräftig schmeckenden Lebensmitteln. Die ursprüngliche Carnivore-Diät besteht ausschließlich aus tierischen Lebensmitteln. Das bedeutet, dass alles, was jemals gelaufen, gekrochen, geflogen, geschwommen oder zumindest Eltern gehabt hat, potenziell auf deinem Speiseplan steht.
Es gibt keine Einschränkungen bei Mengen oder Uhrzeiten: Du isst, wenn du Hunger hast, und hörst auf, wenn du satt bist. Du isst also viel (fettes) Fleisch, etwa Burger, Steak und rotes Fleisch, um Kalorien und Energie aufrechtzuerhalten. Du isst nicht nur verarbeitetes Fleisch und Geflügel, sondern auch viel Organfleisch, das wichtig ist, um genügend Nährstoffe aufzunehmen. Außerdem isst du viel Fisch (je fetter, desto besser), Eier, Markknochen (für Kollagen) und tierische Fette wie Talg und Schmalz. Milchprodukte wie Milch und Joghurt nimmst du jedoch nur in begrenztem Umfang zu dir, weil es bei der Carnivore-Diät unter anderem darum geht, Nährstoffe zu meiden, die dein Körper nicht optimal verdauen kann, und Milchprodukte sind dafür ein Beispiel. Gewürze dürfen in begrenztem Maß verwendet werden, aber vor allem Salz und Pfeffer kommen in dieser Diät häufig zum Würzen von Fleisch zum Einsatz. Nahrungsergänzungsmittel sind bei dieser Diät nicht notwendig.
Saladino gibt ein Beispiel für einen durchschnittlichen Tag im Leben einer Person, die die Tier-5-Carnivore-Diät befolgt (die Variante, die Saladino selbst täglich isst und die am stärksten auf den Verzehr von tierischem Fleisch und Organen ausgerichtet ist). So besteht ein typisches Frühstück aus 3 in Schmalz gebratenen Eiern, 2 ounce (1 ounce = 1,417.50 Gramm) Rinderleber, 1 ounce Rinderniere, 10 ounce New-York-Steak mit Salz und 14 ounce roher Ziegenmilch. Das Mittagessen besteht aus 60 Gramm Rindernierenfett, 4 ounce in Talg zubereiteten Muscheln, 2 ounce Markknochen und einem halben Teelöffel Knochenmehl. Den Abendessen-Teil können wir uns sparen, die Aussage ist wohl klar. Das ist ein häufig geäußerter Kritikpunkt an dieser Diät. Vielen Menschen wird es schnell zu viel, so viel Fleisch und Organe zu essen, und schon nach ein paar Wochen oder sogar Tagen sehnen sie sich nach etwas wie einem einfachen, gekochten Reisbett.
Die sozial-kulturelle Bedeutung von Nahrung
So beschrieb auch Alan Levinovitz, außerordentlicher Professor für Religionswissenschaft an der James Madison University und Autor des Buchs The Gluten Lie, die Carnivore-Diät in seinem Artikel Die Carnivore-Diät vergisst, dass Essen mehr tut, als uns zu ernähren als „ein extrem restriktives Essmuster, das Nahrung nur als Mittel sieht, den Körper am Leben zu erhalten, und die sozial-kulturelle Bedeutung kulinarischer Traditionen außer Acht lässt“. Er gibt aber auch zu, dass die Diät ihm interessante Einsichten verschafft hat: Nachdem er zwei Wochen lang nur Fleisch gegessen hatte, war sein Stuhlgang genauso gut oder sogar besser als vorher; offenbar kann man also auch ohne Ballaststoffe problemlos Stuhl absetzen. Und obwohl er zwei Wochen lang kein Gemüse gegessen hatte, hatte er keinen Skorbut und fühlte sich körperlich bestens.
Vor allem psychologisch sei es also eine schwierige Diät, so Levinovitz. Es gibt keine Küche, die auf Menschen ausgerichtet ist, die nur Fleisch essen, was es schwierig macht, gute Rezepte zu finden, nicht einseitig zu essen und an sozialen Mahlzeiten teilzunehmen. Das Weihnachtsessen, die Geburtstagstorte, der Hochzeitstoast, Großmutters Rezept … all das fällt weg. Nach Levinovitz isoliert die Fleischdiät dich also ziemlich stark von der soziokulturellen Bedeutung von Nahrung, und natürlich stellt sich die Frage, ob es das wirklich wert ist, darauf zu verzichten. Auch hier ist Carnivore das neue Vegetarisch. Vegetarier werden die oben genannten sozialen Situationen – und das damit verbundene Unbehagen – nur allzu gut kennen.
Verursacht die Carnivore-Diät Nährstoffmängel?
Viele Menschen werden sich fragen, ob man durch die Diät Nährstoffmängel entwickeln kann, aber die bisherigen Untersuchungen deuten nicht darauf hin. So beschreiben verschiedene Studien einen normalen Stuhlgang, und es werden keine Vitamin- oder Mineralstoffmängel festgestellt. Nicht überraschend, denn allein rotes Fleisch enthält reichlich Eisen und Zink, Fisch und Meeresfrüchte liefern viel Vitamin D. Vor allem Knochen und Organfleisch stecken jedoch voller essenzieller Mikronährstoffe und enthalten sie in höheren Konzentrationen als Pflanzen. Ob du die Carnivore-Diät befolgst oder nicht: Organfleisch ist wegen seines hohen Nährwerts ohnehin eine gute Ergänzung deiner Ernährung. Mit den hochwertigen Supplements von Ancestral Supplements ist es ganz einfach, täglich eine Portion Organfleisch zu dir zu nehmen.
Woran es allerdings Zweifel gibt, ist, ob die Diät ausreichend Vitamin C liefert. Es scheint jedoch, dass du bei dieser kohlenhydratarmen Carnivore-Diät auch weniger von diesem Vitamin benötigst. Wie im Artikel The Carnivore Diet: Is Eating ONLY Meat Healthy, or Totally @#$ing Crazy? erwähnt, ersetzt der Stoff Beta-Hydroxybutyrat, der von deiner Leber produziert wird, wenn dein Körper sich in Ketose befindet, zumindest zu einem großen Teil den körperlichen Bedarf an Vitamin C. Außerdem verwendet dein Körper Vitamin C unter anderem zur Bildung von Kollagen, aber die Aminosäuren, die du vor allem über Knochen und Organe von Tieren aufnimmst, sorgen bereits dafür, dass dein Körper davon genug erhält. Knochenbrühe, wie sie zum Beispiel von Broth of Life gekocht wird, ist eine uralte, einfache und nahrhafte Möglichkeit, deine Kollagenzufuhr zu erhöhen und deinen Körper mit kraftvollen Nährstoffen zu versorgen.
Die Ethik der Fleischdiät
Der wichtigste Kritikpunkt an dieser Diät ist vermutlich vor allem ihr ethischer und nachhaltiger Aspekt. Gerade in einer Zeit, in der wir uns weltweit in einem nachhaltigen Wandel befinden, stößt diese Diät vielen Menschen sauer auf. So viel Fleisch pro Person zu essen ist auf globaler Ebene überhaupt nicht realistisch, und natürlich werden viele Tiere leiden und sterben müssen, um den Menschen genügend Fleisch zu liefern.
Saladino geht auf den ethischen Aspekt des Verzehrs von Tieren nur in einem kurzen Absatz am Ende des Buches ein. Während er 43 Seiten darauf verwendet zu erklären, warum Ballaststoffe nicht so gut für deinen Körper sind, und 61 Seiten benötigt, um darzulegen, warum rotes Fleisch deine Lebenszeit nicht verkürzt, widmet er dem ethischen Aspekt des Tierverzehrs nur zwei (!) Seiten.
Jagen, ehren und gestörte Ökosysteme
Seiner Ansicht nach ist es nicht grausam, Tiere zu essen, wenn sie durch eine respektvolle Jagd getötet wurden, und als Mensch sollten wir durch diese Jagderfahrung Verantwortung empfinden und tragen, um das Leben des soeben erlegten Tieres zu ehren, indem wir selbst so gut wie möglich Mensch sind.
Viele werden ihm zustimmen, dass das Töten von Wildtieren durch Jagd humaner und respektvoller ist als die Art und Weise, wie viele Tiere in der Massentierhaltung leben und getötet werden. Die Frage ist jedoch, wie realistisch es ist, all das Fleisch, das wir konsumieren, durch die Jagd auf Wildtiere zu beschaffen. Und reicht es ethisch wirklich aus, „so gut wie möglich Mensch zu sein“, zu Ehren des gerade getöteten Tieres? Ist damit die ethische Frage wirklich erledigt?
Außerdem behauptet Saladino, dass durch die Ernte von Pflanzen – etwa durch große Erntemaschinen, die Insekten, Kaninchen und Mäuse töten – viel mehr Tierleben verloren gehen als durch den direkten Verzehr von Tieren. Darüber hinaus werden ganze Ökosysteme durch die Anlage und Ernte riesiger Monokulturen gestört. So kommt Saladino – zugegebenermaßen etwas grob vereinfacht – zu dem Schluss, dass die Carnivore-Diät ethisch nicht schlechter oder sogar weniger schlecht sei als eine vegetarische Ernährung.
Aber kann man aus ethischer Perspektive überhaupt von unterschiedlichen „Werten“ von Tieren sprechen, und ist der Mensch in der Lage, darüber eine moralische Rangordnung zu treffen? Wenn es nur um Zahlen geht, sterben weltweit mehr Mäuse für unser tägliches Brot als Kühe für die Fleischindustrie. Unabhängig davon, ob wir in der Lage sind, darüber ein ethisches Urteil zu fällen, scheint es viel zu vereinfachend, bei einem solchen Urteil nur von Zahlen auszugehen und die Qualität eines Tierlebens, die Art und Weise, wie Tiere behandelt werden, die Menge der Nährstoffe, die ein tierischer Körper liefert, wie notwendig das Töten des jeweiligen Tieres ist und wie sparsam mit der tierischen Nahrungsquelle umgegangen wird, auszublenden.
Neubewertung von Fleisch
Seine kurze ethische Erklärung wird sicherlich nicht jeden überzeugen. Es bleibt jedoch auch ein schwieriges Unterfangen zu untersuchen, welche Lebensweise letztlich für die geringsten CO2-Emissionen verantwortlich ist, da man dafür die Emissionen aller beteiligten Fabriken, Bauern, Tiere, Lastwagen und Menschen erfassen und messen müsste. Auch ist es unmöglich zu sehen, was beide Lebensweisen letztlich an Tierleben kosten und inwieweit diese gegeneinander aufzuwiegen sind (ist das Töten einer Maus genauso schlimm wie das Töten eines Hirsches?). Trotz der ethischen und soziokulturellen Einwände hat diese Diät jedenfalls in der Ernährungswelt für viel Aufsehen gesorgt.
Nach der Lektüre von The Carnivore Code können wir vorsichtig schließen, dass Fleisch tatsächlich eine Neubewertung verdient, auch wenn die Frage bleibt, auf welche Weise der Fleischverzehr zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann. Natürlich ist es aus verschiedenen Gründen besser, sich für lokale, biologische, grasgefütterte und zertifizierte Lebensmittel zu entscheiden, bei deren Produktion keine Pestizide, Herbizide oder GVO zum Einsatz gekommen sind. Darin sind sich mittlerweile alle, die die Welt verbessern wollen, mehr oder weniger einig. Wichtig ist auch zu bedenken, dass die Natur zyklisch ist und dass es sowohl für deine Gesundheit als auch für die Welt Vorteile hat, sich in deiner Ernährung an diesen Rhythmus anzupassen. Ob du die Carnivore-Diät nun lieben gelernt hast oder doch eine andere Ernährungsweise wählst: Eine bessere Welt und bessere Gesundheit beginnen jedenfalls immer mit der Wahl von Qualität, wenn es um Lebensmittel geht.