Ist Ihre Postleitzahl wichtiger als Ihr genetischer Code?
In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Harvard Medical School und der University of Queensland, Australien, suchten Wissenschaftler nach der Antwort auf die uralte 'Nature versus Nurture'-Frage. Spielen Umweltfaktoren oder genetische Veranlagung die wichtigste Rolle bei der Entstehung von Krankheiten?
Big Data... im Großen!
Die Wissenschaftler bauten—nach eigenen Angaben—'die weltweit größte Datenbank, basierend auf Krankenversicherungsansprüchen von fast 45 Millionen Menschen einschließlich Tausender von Zwillingen.' Sie untersuchten die Auswirkungen von Genen und die Auswirkungen der Lebensumgebung auf 560 häufige Erkrankungen. Insgesamt 23 Kategorien, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neuromuskulären Störungen, psychischen Problemen bis hin zu 'Problemen' mit dem Skelett.
Nature versus Nurture
Die im Journal Nature Genetics veröffentlichte Studie hatte eigentlich keine großen Überraschungen. Genetik hatte den größten Einfluss auf Krankheiten im frühen Leben und auf kognitive und/oder Lernstörungen. Die Umwelt war der deutlichste Faktor bei morbider Adipositas und, nicht überraschend, bei Infektionen wie der Lyme-Borreliose, die durch Zecken übertragen wird. In einer waldreichen und ländlichen Umgebung leben nun einmal mehr Zecken als in einer Beton-Stadtdschungel.
Mit dieser Studie bestätigten die Forscher eigentlich das, was andere Wissenschaftler und Ärzte seit Jahren sagen: Gesundheit ist oft eine Frage einer komplizierten Zusammenarbeit zwischen Umwelt und Genen. Beispiel: Menschen mit bestimmten genetischen Veranlagungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel fettleibig zu werden, wenn sie an einen Ort ziehen, an dem es schwierig ist zu trainieren und wo es schwierig ist, eine gesunde Ernährung zu befolgen. Denken Sie an eine Nachbarschaft mit vielen Fast-Food-Restaurants, wenigen Geschäften mit frischen Produkten und unzureichenden Sporteinrichtungen.
In den Niederlanden
Auch in den Niederlanden zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, und auch hier sieht man Unterschiede in der Gesundheit hervortreten, die zum Beispiel mit dem sozioökonomischen Status und damit auch der Lebensumgebung zusammenhängen.
Gesundheit pro Viertel und Nachbarschaft
Das niederländisches RIVM (Nationales Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt) hat eine interaktive Karte entwickelt, auf der dies gut zu sehen ist. Die Zahlen, auf denen diese Karte basiert, stammen aus dem Gesundheitsmonitor Erwachsene und Senioren 2016 der verschiedenen GGDs (Gemeentelijke Gezondheidsdienst), dem CBS (Statistisches Bundesamt) und dem RIVM.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf können Sie also einmal schön schauen, wie es in Ihrer eigenen Nachbarschaft bestellt ist. Immer nett! Aber gut merken: Es bleibt natürlich Statistik. Godfried Bomans sagte bereits: "Ein Statistiker watete voller Vertrauen durch einen Fluss, der durchschnittlich einen Meter tief war. Er ertrank."
Quelle: https://hms.harvard.edu/news/zip-code-or-genetic-code

