vitmine-D3-ergomaxAls Mensch fallen wir oft einer Art Myopie zum Opfer. Wir vergessen kurzzeitig die Komplexität des Lebens und fokussieren uns auf nur einen Lösungsansatz. Oftmals ist das dann die augenscheinlich einfachste Option und wenn die eine kurzfristige Lösung bietet, dann denkt man schnell: Wenn etwas gut ist für mich, dann ist mehr davon noch besser!

Vitamin D3 Supplementierung ist genau dieser kurzsichtigen, typisch menschlichen Sichtweise zum Opfer gefallen. Vitamin D3 scheint inzwischen das universellste Allround-Supplement der Welt zu sein. Jedermann, von alten Menschen und Athleten bis hin zu gerade geborenen Babys soll Vitamin D3 nehmen.

Vitamin D3 ist unserer Ansicht nach ein durchaus wertvolles Supplement, aber sind die super hohen Dosierungen auch sinnvoll und erzählt man den Leuten auch alle Details? Ist “mehr ist besser” nicht etwas zu simpel?

Ein kleines Detail! Vitamin D3 Sulfat versus Vitamin D3

In dem Moment, in dem die Haut den ultravioletten Strahlen der Sonne ausgesetzt wird, vor allem den UVB Strahlen, wird Vitamin D3 Sulfat (Cholecalciferol-Sulfat) erzeugt. Im Gegensatz zu dem was viele Leute behaupten, ist dies NICHT dieselbe Form wie Vitamin D3 (Cholecalciferol) aus Nahrungsergänzungsmitteln. Diese Variante ist nämlich nicht sulfatiert.

Hier geht es um einen wichtigen Unterschied, der in Artikeln zu Vitamin D3 nicht oft besprochen wird. Man wirft alle Vitamin D3 Supplementierung und Vitamin D3 aus Sonnenstrahlung in eine Kiste und tut als sei das ein und dasselbe. Beliebte Bezeichnungen dabei sind dazu “Sonnen-Vitamin” oder “Sonnenlicht in einer Kapsel”. Das klingt gut, ist aber nicht ganz korrekt, da die gesundheitlichen Auswirkungen von Vitamin D3 aus Sonnenlicht nicht eins zu eins mit den Effekten der Vitamin D3 Supplemente zu vergleichen sind.

Der Unterschied beider Formen von Vitamin D3 liegt unter anderem in der Tatsache, dass Vitamin D3 Sulfat wasserlöslich ist und “gewöhnliches” Vitamin D3 nicht. Infolgedessen hat Vitamin D3 Sulfat eine größere Reichweite im Körper.

Neben der biochemischen Eigenschaften ist auch die biochemische Wirkung unterschiedlich. Vitamin D3 Sulfat hat keinen Effekt auf den Kalzium-Transport, Vitamin D3 hat dies sehr wohl. Es scheint so zu sein, dass gerade die Sulfat-Form des Vitamin D3 verantwortlich ist für die Effekte auf unter anderem das Immunsystem, den Gemütszustand und das Herz- und Gefäß-System. Das Sulfatmolekül spielt hierbei übrigens auch eine wichtige Rolle, und nicht nur der D3-Teil des Moleküls hat positive Eigenschaften.

Wenn man Gesundheit aus einer evolutionären Perspektive betrachtet, dann wird deutlich, dass der Mensch seit seiner Entstehung Vitamin D3 aus der Sonne bekam (und ein wenig auch aus der Nahrung), aber in jedem Falle nicht in konzentrierter, isolierter Form über orale Einnahme. Darum ist es auch nur logisch anzunehmen, dass es da einen Unterschied geben muss. In der Biologie dreht es sich um die Details und Vitamin D3 Supplemente sind kein Ersatz für die Aussetzung an Sonnenlicht!

  1. Ein Vitamin D3 Bluttest ohne den Einsatz von Nahrungsergänzung ist ein guter Indikator, ob man ausreichend in der Sonne sitzt.
  2. Rohe Mutter- und Kuhmilch sind die einzigen natürlichen Nahrungsquellen von Vitamin D3 Sulfat.
  3. Vitamin D3 aus Nahrungsergänzung oder Nahrung kann nicht umgewandelt werden in Vitamin D3 Sulfat.
  4. Vitamin D3 Sulfat kann andersherum umgewandelt werden in nicht-sulfatiertes Vitamin D3.

Vitamin D3 Supplemente im Winter

Vor allem im Herbst und Winter wird Vitamin D3 in großen Mengen geschluckt, die Sonne scheint nicht kräftig genug, um über die Haut Vitamin D3 herstellen zu können. Gerade in dieser Periode nehmen die Vitamin D3 Konzentrationen im Körper dann auch ab.

Der menschliche Gedankengang ist dann logischerweise, dass die Ergänzung der niedrigen Vitamin D3 Konzentrationen extra wichtig sein muss. Aber wie ging das dann in der Vergangenheit, was ist die evolutionäre Perspektive? Alle fettlöslichen Vitamine (A, D, E und K) können gespeichert werden im Körper. Im Falle von Vitamin D ist geschieht dies im Fettgewebe der Leber.

Unsere Ahnen waren im Gegensatz zum modernen Menschen, vielfach in der Natur beschäftigt, auch im Frühjahr, im Sommer und Herbst, so dass Sie imstande waren, ausreichende Vitamin D3 Vorräte im Körper aufzubauen. Diese Konzentrationen waren genug um den Winter durchzukommen. Was genau die natürlichen normalen Blutwerte im Winter sein sollten, ist uns noch nicht ganz deutlich, aber eine jahreszeitabhängige Variation erscheint genau uns wie im Cholesterinhaushalt und anderen Hormonkonzentrationen nur logisch.

Wussten Sie, dass Vitamin D3 mehr einem Hormon ähnelt, als einem Vitamin? Dies gilt sowohl für die chemische Zusammensetzung als auch für die Funktion im Körper.

Wenn Vitamin D3 von Natur aus im Sommer in den höchsten Konzentrationen anwesend ist, ist es dann nicht logisch, dass es im Winter am niedrigsten ist? Entriegeln und verwirren wir den Körper nicht vielleicht, wenn wir gerade im Winter hohe Dosierungen nehmen? Eine Studie aus 2009 scheint genau für diese Annahme einen wichtigen Hinweis zu liefern. Die Schlussfolgerung dieser Studie besagt:

“The underlying mechanism for these metabolic abnormalities is that vitamin D is involved in the regulation of β-oxidation in WAT and directly suppresses the expression of UCP1 and UCP3 in BAT. These data unveil a novel aspect of vitamin D biology in regulation of energy metabolism.”

Mit anderen Worten; Vitamin D3 unterdrückt das Ausstoßen der Entkoppelungs-Eiweiße UCP 1 und UCP3 in Braunfett. Entkoppelungs-Eiweiße spielen eine Rolle beim Regulieren der Körpertemperatur, da sie Energie zur Wärmeerzeugung benutzen anstelle der Erzeugung von ATP Energie. Dies ist ein sinnvoller Mechanismus, den man im Winter nicht unterdrücken möchte!

Wenn das Sulfatmolekül, wie schon eher angesprochen, auch wichtige andere Gesundheitseffekte hat, die scheinbar zu Unrecht allgemein an Vitamin D3 zugeschrieben werden, dann ist es von Belang ausreichend Sulfite über die Nahrung einzunehmen im Winter. Legen Sie den Fokus darum nicht nur auf Vitamin D3, sondern auch auf Meeresprodukte, Eier, Zwiebeln und Knoblauch. MSM als Nahrungsergänzungsmittel ist beispielsweise auch eine gute Quelle.

Es scheint der Fall zu sein, dass Vitamin D3, genau wie beispielsweise ausreichend Melatonin, Omega-3-Fettsäuren und Magnesium, im Körper nur dann optimal funktionieren kann, wenn wir unser evolutionäre Vergangenheit einigermaßen respektieren. Leider ist die heutige Welt und ihr Alltag so anders eingerichtet, das wir bewusste Veränderungen durchführen müssen auf der Basis alle bis hierhin verfügbaren Kenntnis. 

Aktives Vitamin D3

Bevor Vitamin D3 aus Nahrungsergänzungsmitteln vom Körper genutzt werden kann, muss es erst in die “aktive” Form Calcitriol umgewandelt werden in den Nieren und der Leber. Während dieser Transformation ist Magnesium ein essentieller Co-Faktor. Wenn also nicht ausreichend Magnesium im Körper vorhanden ist, dann ist es physiologisch unmöglich, die wirksame Form von Vitamin D3 zu erzeugen.

Wenn es nicht funktioniert, die Blutwerte von aktivem Vitamin D3 zu erhöhen, dann ist “mehr nehmen” nicht unbedingt die beste Lösung und sollte man in jedem Falle auch Magnesium näher unter die Lupe nehmen. Steigen die Werte auch nach einer Periode von Magnesium-Einnahme nicht, sollte man auch die Wasser-Einnahme betrachten. Bekommt der Körper ausreichend Wasser? Magnesium ist ein hydrophiles Molekül und hat ausreichend Wasser nötig um seine Wirkung entfalten zu können.

Eine ergänzende Schicht im Bezug auf die Wirkung von Vitaminsupplementen D3 ist letztlich, was entsteht nach der Umwandlung in aktives Vitamin D3 beim Vitamin D3 Rezeptor. Rezeptoren können Signale von innerhalb und von außerhalb der Zelle weitergeben, wenn ein Signalmolekül, in diesem Falle aktives Vitamin D3, sich an einen Rezeptor bindet. Durch diesen sogenannten “Schlüssel und Schloss“ - Mechanismus kommen viele Effekte zustande.

Da die molekulare Struktur von Vitamin D3 der von Calcitriol, der “aktiven Version” sehr ähnlich ist, kann auch Vitamin D3 sich rasch an diesen Rezeptor binden und somit die Wirkung des aktiven Vitamin D3 blockieren. Das einfach mal so Einnehmen von höheren Dosierungen ist also wiederum nicht sonderlich weise, auch wenn die Toxizität von Vitamin D3 sehr niedrig ist.

Lebertran, das ist doch auch ein gutes Ergänzungsmittel für Vitamin D3?

Die beste Art und Weise der Einnahme der guten Form von Vitamin D3 ist über die direkte Aussetzung der Haut an Sonnenlicht. Daneben sind beispielsweise die Wahl eines guten Lebertran Produkts oder die Einnahme von Vitamin D3 - reicher Nahrung eine andere natürliche Art und Weise, Vitamin D3 in den Körper zu bekommen. In kompletten Nahrungsquellen wie Lebertran ist Vitamin D3 im natürlichen Verhältnis mit anderen Nährstoffen vorhanden und dies gewährleistet ein natürliches Gleichgewicht.

Isolierte Vitamin D3 Supplemente für die allgemeine Anwendung mit einer bewusst eingesetzten Dosierung mit bis zu 1000 IE sind erwiesen effektiv, aber trotzdem weniger “natürlich”. Für spezifische Indikationen oder individuelle Situationen können abhängig vom persönlichen Kontext auch abweichende Dosierungen gewählt werden. Wie so oft gilt auch hier Messen = Wissen. Lassen Sie sich also informieren und lassen Sie gut gemeinte Überdosierung nicht der Gegner Ihrer Gesundheit sein.