Die Einwohner des Dorfes Acciaroli und Umgebung (Italien) werden ganz besonders alt.  Das Gebiet gehört zur so genannten blauen Zone. In dieser Zone leben Menschen länger, gesünder und glücklicher als in anderen Teilen der Welt. Auch Sardinien und Okinawa in Japan gehören zu diesen besonderen Gebieten.

Das Dorf der Hundertjährigen

In Acciaroli leben viele Menschen von über 90 Jahren mit guter Gesundheit. Um es anschaulich zu machen, sie verfügen über eine kräftige Libido und sind sexuell aktiv. Aus Untersuchungen kommt hervor, das das Gehirn dieser Menschen von 95 Jahren dem Gehirn “normaler” Menschen von etwa 50 Jahren entspricht, die noch sehr regelmäßig an Sex denken.  Einer der Forscher, der die Gruppe älterer Damen und Herren eine Zeit lang im Auge behielt, beschreibt eine Situation, in der ihn eine Frau während seiner Arbeit ganz offensichtlich versucht zu verführen. Die Dame ist zu dem Zeitpunkt 94 Jahre alt.

Eines der körperlichen Kennzeichen der Einwohner von Acciaroli ist die außergewöhnlich  gute Mikrozirkulation. Die kleinen Kapillare beliefern die entferntesten verschiedenen Gewebesorten des Körpers mit Nährstoffen und räumen dort gleichzeitig Abfallstoffe auf. Bei den alten Menschen aus Acciaroli sind diese Kapillare so tüchtig wie die Kapillargefäße “normaler“ Teenager. Die Konzentrationen von Adrenomedullin, einem Hormon, das die Gefäße weitet, war der Indikator für diese Beobachtung.

Die Epigenetik stellt sich vor

Nun können genetische Faktoren nicht ausgeschlossen werden, jedoch nimmt die so genannte Epigenetik im Begreifen von Gesundheit und Alter eine immer größere Rolle ein. Epigenetik ist die Wissenschaft, die beschreibt, dass man Gene über die Lebensweise Umgebungsfaktoren und ein- und ausschalten kann. Ohne, dass die unterliegende DNA sich verändert.  

Das bedeutet, dass die alte Denkweise vom genetischen Determinismus eigentlich nicht mehr aktuell ist.  Aussagen wie “ich bin dick, krank etc. wegen meiner genetischen Veranlagung” werden weniger glaubhaft.

Rosmarin

In Acciaroli fallen gewisse Nahrungs- und Lebensstilfaktoren auf, die einem mediterranen Lebensstil entsprechen. So nimmt man vor allem regionale Nahrung wie Sardellen, Kaninchen und Gemüse zu sich. Und eine regionale Variante von Rosmarin, die zehnmal stärker ist als der Rosmarin, den wir hier im Supermarkt bekommen. Rosmarin essen diese Italiener übrigens sowieso zu nahezu allen Gerichten und diese Zutat wird als ein besonderer Faktor betrachtet, da die hohen Konzentrationen viele günstige Stoffe enthalten.

Senolytics, dem Älterwerden eine Schnippe schlagen

Es ist gut möglich, dass einer dieser Stoffe in die neue Kategorie Moleküle fällt, die gerade als “senolytics“ bekannt werden. Seneszente Zellen sind Zelle die sich nicht mehr teilen können, aber auch noch nicht absterben. Sie sind darum im Prinzip dysfunktional und können andere Zellen beeinträchtigen. Dieses Phänomen nimmt im Laufe des Alters zu.  Senolytics können dabei eine positive Rolle spielen; es können auch pflanzliche Moleküle sein, die die alternden Zellen aufräumen.

Sonnenlicht ist wichtig

Da Umgebungsfaktoren in der Gesundheitshierarchie immer höher stehen als Nahrung, sollte auch erzählt werden, dass die Alten von Acciaroli viel Zeit in der Sonne verbringen, saubere Luft atmen, im Meer schwimmen oder durch die Berge wandern. In einem älteren Blogbeitrag haben wir uns bereits einmal mit dem Exposom und der Rolle der Umgebungsfaktoren auseinander gesetzt.

Im Falle der Sonne ist es nicht nur das bekannte Vitamin D3, was gesund ist. Es gibt unzählige Mechanismen mit denen die Sonne unser Wohlbefinden beeinflusst. Die Liste hier ist wahrscheinlich nur ein Bruchteil dieser positiven Einflüsse.

Die Aussetzung  an Sonnenlicht:

- Bestimmt den cirkadianen Rhythmus
- Ist gut für das Herz und Blutdruck
- Ist für die Stimmung gut
- Wirkt nootropisch und ist gut für die Gehirnfunktionen
- Ist gut für die Zähne
- Ist gut für die Aufmerksamkeit
- Erhöht Geschlechtshormonproduktion und lindert Schmerzen

Zusammenfassung

Für das eigene Wohlbefinden kann es demnach sehr interessant sein, sich die gemeinschaftlichen Lebensstilfaktoren der Einwohner dieser sogenannten blauen Zone mal genauer anzugucken.  Ergänzend zu diesen Einflüssen können spezifische Faktoren eine Rolle spielen. Sonne, Luft und Berge können Sie als Basis nehmen und mit den spezifischen Faktoren (hier: Rosmarin) können Sie experimentieren, je nach Bedarf und Interesse.